Alles super!

 In der Welt von Instagram habe ich manch Neues erfahren, viele wunderschöne Gerichte gesehen, und ein paar Fototricks gelernt. Zum Beispiel, dass Humus auf dem Teller besser aussieht, wenn etwas Olivenöl drauf gesprenkelt wird, oder wie ein paar hübsche Beeren jedes Dessert schmücken.
Zuerst mal ist es schön, eine hübsche Idee, das Essen visuell ansprechend zu servieren. Das haben wir auf Foodblogs doch seit jeher gemacht. Aber jetzt - der Instagram-Wahnsinn. Ich bin hier an die Grenzen meiner Freude an Food-Dekoration gestoßen..
Man kann's nämlich auch übertreiben mit Blümchen, Beeren und Silberlöffelchen.  Mehr als 1,8 Millionen Einträge für #beautifulcuisines. Wer weder Blaubeeren, Silberbesteck noch essbare Blümchen zur Hand hat, braucht mit dem Fotografieren gar nicht mehr anzufangen.
Man sehnt sich zum Schluss nach einem Teller, auf dem einfach Essen zu sehen ist.

Ein weiteres Phänomen bei Instagram ist "Clean Eating". Was uns wirklich beschäftigt ist möglichst keine vergifteten Eier, kein zu Tode gespritztes Gemüse und kein gequältes Fleisch zu essen. Healthy - ok!  Aber Buddha bowls? Zoodles statt Nudeln? Jeden Monat ein neues Superfood? Kartoffeln sind jetzt bäh, aber Quinoa ist clean? Und Kokosnuss allüberall? 5 Millionen Einträge für #cleaneats !
Als hätte die Welt bis jetzt nur ungesund und "dirty" gegessen; oder hässlich.
Der Guardian hat wieder einmal einen interessanten Artikel zu diesem Thema, ein Thema das Starköchin Nigella Lawson schon vor Jahren vom Tisch gewischt hat: Sie empfinde den Ausdruck "clean" als widerlich, weil er impliziert dass "andere Arten des Essens seien schmutzig oder beschämend".


Weder allzu clean noch allzu hübsch ist dieses wunderbare Gericht, das ich in der Effilee vom September 2016 entdeckte.

Ich habe es hier nachgebaut und es schmeckt super. So schnell! Und so gesund!

Hamshuka wird traditionell aus Lammhack bzw. gemischtem Lamm- und Rinderhack zubereitet. Lammhack bekommt man beim türkischen Metzger, aber ich nahm Rinderhack.

Das Hummus habe ich fertig im türkischen Deli in Grafing gekauft; es gibt inzwischen auch sehr gutes in vielen Supermärkten.  Tahin (Sesampaste), Zitronensaft, Sesamsamen und Olivenöl zum Verfeinern.
  
 Das Rinderhack (200g für 2 Esser) mit einer klein gehackten Zwiebel in reichlich Olivenöl anbraten.
Einen EL Tomatenmark, gemahlenen Kreuzkümmel und Paprikapulver dazugeben
Ich würzte dazu noch mit Sumac und Chiliflocken, 
Mit etwas Gemüsebrühe schmoren, mit Petersilie oder Koriander dekorieren (hatte ich nicht).


Das Hummus kreisrund auf Teller ­streichen, (für instagram mit ein paar Kicher­erbsen dekorieren) dann das Hackfleisch in der Mitte auf dem Hummus ­anrichten. 
Mit Sesamsaat und Petersilie bestreuen mit Paprikapulver bestäuben 
Hummus mit Olivenöl und Zitronensaft beträufeln.  
Das Pitabrot bekomme ich "beim Türken". Die Mama bäckt es vor Ort; besser könnte ich es sicher nicht.
 ***
After a few months dedicated to instagram I have reached a point where I gag when I see the multitude of over-decorated food pics. I love a pudding studded with berries and a few silver spoons lying beautifully next to my hand-picked plates. But the food carnival on instagram is gradually putting me off food photography. 
Didn't we food bloggers always present our recipe in pretty pictures? Now, don't even bother to take a picture unless you empty your family silverware all over it, add berries (usually blue) and stud your dish with all manner of not herbs, but flowers. 1.8 mio. hits for #beautifulcuisines. And did we cook tinned and processed "dirty" food?  The #cleaneats madness is all over the shop with 5mio entries on instagram, for example. New superfoods are being touted all the time (foods we have quietly been eating for decades). Out with the spinach, in with the kale. Out with the potato, in with quinoa, meanwhile impoverishing Bolivian peasants. Clean, maybe. Ethical?
Raw vegetables - yes, we have heard of them. Avocado, coconut have always been around but are now becoming a craze that affects the environment.
Anthony Warner – a food consultant who blogs as The Angry Chef calls it "nutribollocks" in a searing Guardian article - I felt like punching the air and shouting Yes Yes Yes.

 And here I am offering you  my latest discovery, Hamshuka. 
It's clean, it's healthy and it's easy to make.. check it our here.
Ach ja, und es herbstelt hier schon ganz schön! *** It's getting quite autumn-like around here

Comments

  1. Und jede Art von Nachtisch gilt übrigens als "naughty" oder "sündig" – Essen als Religion, wer hätte das je gedacht? fragt Petra

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    1. Ja, "naughty but nice"! Und "sündigen" - da läufts mir immer kalt den Rücken runter, aber nach ein paar Ave Maria geht dann doch noch ein zweiter Schokokuchen.

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  2. glücklicherweise interessieren mich null irgendwelche ess/koch/fotografier-trends. ich koche/esse einfach was mir einfällt und was mir schmeckt. und schnell ohne schnickschnack muss es gehen.
    liebe grüße
    ingrid

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    1. Ja, solche Leute gibt es, die so ein völlig neutrales Verhältnis zum Essen haben, eigentlich schön. Aber, wie du weißt, interessiert mich alles rund ums Essen brennend!

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  3. Mich stößt der ganze Wahn rund um verschiedene Speisen, Trends, Superfoods total ab. Ich freue mich immer über deine liebevoll gestalteten Fotos von Gerichten, die meistens für Normalkocherinnen nachvollziehbar und nachbereitbar sind. Der gelegentliche Silberlöffel ist aber schön ebenso wie bunte Tischdecken und deine netten Teller. Bleib dir treu und lass es dir schmecken. :-) Dass es bei euch schon herbstelt ... naja der Sommer hat sich ja auch ziemlich verausgabt auf dem Kontinent oder? Viele Grüße aus dem auch nicht mehr richtig doll sommerlichen Schottland.

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  4. Ja, mir geht's da ähnlich wie Dir - silberne Löffel auf Deckchen und künstlich gealtertem Holz, das aussieht wie eine alte Kiste? Außerdem mag ich naughty und dirty und überhaupt... :-)

    Appetitlich muss es schon aussehen, aber ich fotografiere mein Essen so schnell, dass es warm bleibt bis ich es esse. Mein aktuelles Eis war auch schon angeschmolzen, bis ich zum Fotografieren kam... okay, das könnte man optimieren. Mit einem Blümchen oder Beeren. ;-)

    Dein Hamshuka sieht klasse aus!

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    1. Wie du weißt, bin ich ja kein Austerity-Fundi! Deine Arrangements mag ich sehr gerne, einfach aber charmant, und gar nicht dirty, trotz Wiese!

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    2. I hear what you are saying about overly decorated food. That is why I sort of stopped blogging with photos and stuck to recipe notes with a quick photo. Ironically, I am also following you on instagram now!

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